Länderinfos A - Z

Algerien
ALLGEMEINES
Algerien legalisierte 1989 die Islamische „Heilsfront“, die Ende 1991 in den ersten freien Parlamentswahlen siegte. Drei Monate später verhängte Präsident Chadli den Ausnahmezustand und verbot die Partei. Um ihren Wahlsieg betrogen, gingen viele Mitglieder in den Untergrund. Radikale Islamisten verübten Massaker an Unschuldigen, töteten gezielt Journalisten und Intellektuelle. Das Regime schlug mit aller Härte zurück. Bis zum Friedensangebot des amtierenden Präsidenten Bouteflika (gewählt 1999) vom letzten Jahr starben durch die Gewalt im Norden des Landes fast 200.000 Menschen. Der letzte größere Anschlag in Algier ereignete sich 2002 auf einem Markt am Stadtrand von Algier, mit 38 Toten.
Seit 2004 und dank der Versöhnungspolitik der Regierung war die Lage auch in Algier wieder sicher. Die Amnestie- und Versöhnungspolitik von Präsident Bouteflika hat aber nach Meinung des algerischen Schriftstellers Boualem Sansal „alles nur noch schlimmer gemacht: Tausende wurden freigelassen, der Staat hat Schwäche gezeigt. Er überhäufte die Islamisten geradezu mit Goodwill-Geschenken: Französische Schulen wurden geschlossen, die Privatisierung von Staatsunternehmen verzögert sich, die Medien werden mundtot gemacht …
Die meisten der gewaltbereiten Islamisten nahmen das Friedensangebot an. Der Rest, die GSPC (Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf) wurde im Januar 2007 in „El Kaida des islamischen Maghreb“ umbenannt. „Schlafende“ Terrorzellen sind nun dem Ruf Bin Ladens gefolgt, ihre Kräfte zu bündeln und aktiv zu werden. Die Tentakel Al Khaidas reichen bis in den Sahel.
LAGE
Algerien (arabisch al-Dschazair, „die Inseln“, ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Algerien, das mittlere der Maghrebländer, ist, nach dem Sudan und vor der Demokratischen Republik Kongo. das zweitgrößte Land des afrikanischen Kontinents. Es grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Westen an Mauretanien, Marokko, im Süden an Mali und Niger und im Osten an Libyen sowie Tunesien.
KLIMA
Algerien wird im Nordteil, dem eigentlichen Lebensraum des Landes, vom Atlasgebirge, im weitaus größeren Südteil von der Wüste Sahara eingenommen.
Im Norden herrscht das Mittelmeerklima, aber teilweise sehr feucht. Im Süden findet man ein trockenes und heißes Wüstenklima, mit starken Temperaturgefällen zwischen Tag und Nacht. Man muss in den Gebirgszügen mit kalten Wintern und Schneefall rechnen.
Internationale Flughäfen gibt es unter anderem in Algier (ALG), Oran (ORN) und Annaba (AAE).
Offizielle Amtssprache ist Arabisch. Daneben spielt Französisch noch eine wichtige Rolle als Bildungs-, Handels- und Verkehrssprache.
WÄHRUNG
Die Landeswährung ist der algerische Dinar, der ungefähr 1:95 zum Euro steht. Die Mitnahme von Euros in bar ist am sinnvollsten, denn Kreditkarten werden außerhalb der wenigen internationalen Hotels kaum akzeptiert.
Bankautomaten, an denen man mit Kredit- bzw. EC-Karte Geld abheben kann, gibt es nur an wenigen Stellen in den Großstädten.
Es ist zu empfehlen, unterwegs immer Dinar in kleinen Stückelungen zu haben (1, 5 und 10 Dh-Stücke, 20 Dh-Scheine), da größere Scheine oft nicht gewechselt werden können.
ETWAS LITERATUR
„Plötzlich steht die Bergfeste Constantine auf einem gewaltigen Felsenmassiv uns gegenüber. Wir halten vor der Felsschlucht El Rumel. Der Bus fährt uns über die 127,50 Meter lange in einem kühnen Bogen über die tiefe Schlucht geschlagene Brücke, die schön angelegte etwas steil ansteigende Rue Nationale hinan zum Grand Hotel, welches an einer Ecke des Hauptplatzes steht. Hier war nun echt orientalisches Leben. In weiße Burnus gehüllte, die Kapuzze über den Kopf gezogen, oder auch nur in lange Hemden gekleidet, standen die Eingeborenen herum oder hockten auf der breiten Tortreppe der geräumigen Markthalle.Constantnie, auf allen Seiten von schroff abfallenden Felswänden begrenzt, ist nur an der Südwestecke über eine schmale Einsattelung zugänglich, die von der jenseitigen Anhöhe ziemlich steil hinunter und dann in mäßiger Steigung zum Hauptplatz hinan führt.Von dort aus geschah auch der Angriff der Franzosen im Jahre 1837 unter General Damrémont mit 4 Brigaden von zusammen 10.000 Mann. Dieser Angriff endigte mit der Einnahme von Constantine.Nach dem Abendessen besichtigen wir das Eingeborenenviertel, das sich gleich hinter dem Gasthof und der Markthalle in steilem Abfalle bis zur oberen Kante der Schlucht hinunter zieht. Die engen Gassen winden sich zwischen den mit ausgestreckten Armen beidseits erreichbaren weißgetünchten Häuser steil abwärts, hie und da unterbrochen von etwas breiteren Quergassen, in welchen die Kaufleute und Gewerbetreibenden geschäftig sind. Arabische Schneider, Schuster, Sattler, Klempner treiben da ihr Handwerk; Schmiede oder Schlosser hämmerten und feilten in einem Loche, das ….“
28.01.1903, Walter Baader
REISEINFOS
In Bezug auf die noch immer andauernden Auseinandersetzungen mit islamistischen Terroristen gilt weiterhin der Ausnahmezustand.
Vor allem im Norden des Landes, einschliesslich der Hauptstadt Algier, kommt es immer wieder zu Terroranschlägen, die sich verstärkt auch gegen westliche Interessen richten.
Anschlagsziele sind in erster Linie die algerischen Sicherheitskräfte und Regierungsgebäude, aber auch Menschenansammlungen.
Im Süden Algeriens besteht weiterhin die Gefahr von Entführungen.
Von Reisen in die Gebiete südlich der Städte Béchar, Ghardaia, Touggourt und El-Oued rät das Auswärtige Amt ab.
Fotografien von militärischen und sicherheitsrelevanten Einrichtungen sind strengstens untersagt, wie zum Beispiel von Militäranlagen, Stauseen und Häfen.
Der Besitz und Handel mit Drogen, sowie Handlungen der Homosexualität und Prostitution werden mit empfindlichen Freiheitsstrafen geahndet.
Die Gesundheitsversorgung entspricht nicht mitteleuropäischem Standard.
Impfungen sind bei Direkt-Anreise aus Europa nicht erforderlich. Gegebenenfalls sollte man aber eine Auffrischung der Polio- und Tetanus- Impfung in Betracht ziehen. Ein Malariarisiko besteht nicht. Wie bei allen Reisen in wärmere Länder mit nicht so hohem Hygienestandard empfiehlt sich eine kombinierte Hepatitis A- und B-Impfung. Generell sind die hygienischen Verhältnisse und die ärztliche Versorgung in Algerien aber relativ gut. Auch wenn viele Medikamente (manchmal unter anderem Namen) überall in Algerien zu erhalten sind, so sollte man doch eine gut ausgestattete Reiseapotheke mitnehmen. Sie ist besonders für unerwartete Notfälle sinnvoll. Reisende, die regelmäßig eine bestimmte Medizin einnehmen müssen, sollten einen entsprechenden Vorrat mitnehmen.
Sie sollten an folgende Dinge denken: Durchfallmittel, Desinfektionsmittel, Kreislaufmittel, Schmerzmittel, Breitbandantibiotikum, Augentropfen, Wundsalbe, Insektenschutzmittel, Salbe oder Gel gegen Verbrennungen und Insektenstiche, Pflaster.
Die Ein- und Ausfuhr von Waffen und Funkgeräten, Rauschgift und pornographischen Schriften ist verboten.
Wertvolle elektronische Geräte (wie zum Beispiel Laptop) müssen bei der Einreise angemeldet werden.
Literatur, welche dem Islam und Algerien nicht freundlich gestimmt ist, wird konfisziert.
VISUM und EINREISEBEDINGUNGEN
Zur Einreise nach Algerien besteht für Staatsbürger der Europäischen Gemeinschaft, Schweizer und die Angehörigen der meisten der restlichen europäischen Länder Visumpflicht.
Botschaft für Deutschland:
http://www.algerische-botschaft.de
http://www.algier.diplo.de
Konsulat für Deutschland:
http://www.konsulat-algerien.de
Botschaft für Österreich:
http://www.algerische-botschaft.at
Konsulat für Schweiz:
http://www.consulat-algerie.ch
WEITERE INFOS unter: www.algerien.es
André Gide