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Äthiopien
ALLGEMEINES
Wer nach Äthiopien reist, hat Bilder von großartigen Monumenten im Kopf: Die Stelenfelder von Axum oder die in den Fels gemeißelten Kirchen von Lalibela sind weltberühmt.
Im Süden Äthiopiens bekommt der Reisende statt dessen Hängelippen zu sehen, in die eine Untertasse passt, und Brot aus falschen Bananen zu essen. Das riesige Gebiet mit Savanne und Bergen südlich der Hauptstadt Addis Abeba hat dem Besucher einiges zu bieten: Nationalparks, eine faszinierende Tierwelt und vor allem außergewöhnliche Menschen. Am Omo-Fluss wohnen die Stämme der Konso, Banna, Hamer und Mursi. Ihre Lebensweise scheint sich seit Jahrhunderten kaum geändert zu haben, sanftem Tourismus gegenüber sind sie meist aufgeschlossen.
LAGE
Äthiopien befindet sich als Binnenstaat im Osten des afrikanischen Kontinents, angrenzend an die Nachbarstaaten Somalia, Kenia, Sudan, Eritrea und Dschibuti. Rund die Hälfte der Landesfläche liegt oberhalb von 1200 Höhenmetern, womit Äthiopien einen der höchstgelegenen Staaten Afrikas darstellt. Das landschaftliche Bild wird im Osten und Westen des Landes durch ausgedehnte Hochebenen bestimmt. Das Ostafrikanische Grabenbruchsystem, das im Norden des Landes mit dem Ras Dashan rund 4620 m über dem Meeresspiegel ausweist, bildet die natürliche Trennung des östlichen und westlichen Hochlandes. Durchzogen wird der Grabenbruch von abflusslosen Seen wie dem Stefaniesee und dem Abajasee, zahlreichen Flüssen sowie tiefen Tälern und Schluchten.
GESCHICHTE
Ursprünglich beschränkte sich der Landesname nicht nur auf das heutige Staatsgebiet, sondern umfasste auch andere Regionen in Ostafrika, teilweise auch Länder jenseits des Roten Meeres. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wanderten schließlich semitische Stämme zunächst in das Küstengebiet, später in das Landesinnere Äthiopiens ein.
Mit dem Zentrum Aksum begründeten sie ein Königreich, das seinen Einfluss stetig ausbauen konnte und im 6. Jahrhundert n. Chr. seine Blütezeit erlebte. Zudem erhob der aksumitische König das Christentum zur Staatsreligion. In den folgenden Jahrhunderten wurden enge Handelsbeziehungen zu Ägypten und Griechenland, aber auch anderen europäischen Ländern geknüpft. Ab dem 7. Jahrhundert geriet Äthiopien durch die schnelle Ausbreitung des Islam in ganz Nordafrika weitgehend in eine Isolation, konnte seine christlichen Wurzeln aber dennoch bewahren.
Ab dem 16. Jahrhundert rangen Portugiesen und Jesuiten (die das afrikanische Land zum Katholizismus bekehren wollten), vergeblich um Einflussnahme in Äthiopien. Zudem sah sich der Staat mit dem erneuten Vordringen des Islam konfrontiert. in der Folgezeit zerfiel das große Reich allmählich in kleinere Fürstentümer. Erst unter Kaiser Tewodros II. gelang Mitte des 19. Jahrhunderts eine erneute staatliche Einigung: Zwar geriet Äthiopien nachfolgend in den Fokus anderer Mächte, darunter insbesondere Ägypten, Großbritannien und Italien. Während das Nachbarland Eritrea im Kampf mit den italienischen Truppen unterlag, manifestierte Äthiopien im Jahre 1896 als erstes afrikanisches Land seine staatliche Unabhängigkeit. Zwar musste das Land weitgehende territoriale Einbußen im gesamten Küstengebiet hinnehmen, knüpfte aber dennoch viele freundschaftliche Beziehungen zu vielen europäischen Staaten, darunter Frankreich und Italien.
1931 wurde eine erste Verfassung verabschiedet. Vier Jahre später unternahm Italien einen erneuten, diesmal erfolgreichen Versuch einer Eroberung Äthiopiens, das fortan mit Eritrea und Somalia der Kolonie Italienisch-Ostafrika angegliedert wurde. Erst mit britischer Unterstützung konnte die italienische Intervention 1941 schließlich beendet werden und der Kaiser aus dem Exil zurückkehren. Nach dem 2. Weltkrieg erlangte der afrikanische Staat seine vollständige Souveränität zurück. Das Kaiserreich, das unter Kaiser Haile Selassie zum einen die Eingliederung des Nachbarlandes Eritrea vornahm, zum anderen einer außenpolitischen Öffnung unterlag, geriet 1974 durch Druck der Bevölkerung in eine schwere Krise. Wirtschaftlich schwach und politisch instabil, übernahm eine Militärregierung noch im gleichen Jahr die Macht; der Kaiser wurde zur Abdankung gezwungen. Es folgte die Umwandlung Äthiopiens in eine Republik nach marxistischem Vorbild.
KLIMA
Die Temperaturen sind in den niederen Lagen gleichbleibend hoch oder mild, in den Höhenlagen treten hingegen große Schwankungen auf. Die Niederschläge variieren zwischen jährlich 500 mm in den Niederungen und 2000 mm in den Bergen.
WÄHURNG
Die Landeswährung ist der Birr. 1 Äthiopischer Bir ist aufgeteilt in 100 Santim.
1 € sind 15,73 ETB oder 100 ETB sind 6,36 €
Euros werden ausserhalb der Hauptstadt kaum akzeptiert oder gewechselt.
Im ganzen Land werden Schecks in der Regel nicht angenommen.
Innerhalb der Hauptstadt und in den grossen Hotels von Addis Abeba kann man mit Kreditkarten Geld abheben, ausserhalb der Hauptstadt gestaltet sich dies schon schwieriger.
ETWAS LITERATUR
Abessinien, das seit Jahrhunderten dem Andrängen des Islam widerstand, ist in unseren Tagen so sehr zum Machtfaktor in Afrika herangewachsen, daß ohne seinen Willen in Zentralafrika nichts politisch Bedeutungsvolles mehr geschehen kann, und die europäischen Großmächte mit dem neueren Abessinien rechnen müssen. Italien, dessen afrikanische Kolonie Eritrea an Abessinien grenzt, hat es gar bitter erfahren müssen, daß der Löwe von Habesch nicht als qualité negligeable anzusehen ist. Nur der weisen Mäßigung des jetzt regierenden "Kaisers von Äthiopien", des Negus Negesti Menilek, war es zu danken, daß Italien in Afrika nicht gänzlich aufgerieben wurde.
Menilek ist ein Starker, zielbewußter und kluger Herrscher. Von seinem europäischen Premierminister Ilg, einem geborenen Schweizer, trefflich beraten und über die Verhältnisse des Abendlandes gut informiert, will er die Segnungen der Kultur zuführen, soweit sie für abessinische Verhältnisse geeignet sind. Zumal den modernen Verkehrsmitteln wendet er rege Aufmerksamkeit zu, wohl wissend, daß diese in erster Reihe dazu berufen sind, die Naturschätze des Landes zu heben. Dieses Land ist es wahrlich wert, daß es unserem Gesichtskreise näher gerückt werde. Abessinien wird von den Eingeborenen verschiedenartig benannt. Mangessa, Itjopja (nämlich Äthiopien) oder Geoz auch Agazi oder Agazjan, Medea - Agasgan, das "Land der Freien." Die bei uns gebräuchlich Bezeichnung gerade "Abessinien", die aus dem arabischen "Heduscha" stammt und aus der der Name Habesch und Habscha (Beled el Habesch - Beled el Habscha) entstanden, wird von ihnen nicht anerkannt und nicht akzeptiert. Karl Tanera, 1905
REISEINFOS
Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ist die Kriminalitätsrate in Äthiopien eher gering. Allerdings stehen Taschendiebstähle und Trickbetrügereien an der Tagesordnung. Jagd auf unsichere Touristen wird vor allem in der Hauptstadt betrieben.
Touristisch organisierte Besuche nach Addis Abeba und zu den Hauptsehenswürdigkeiten des Landes verlaufen im Allgemeinen problemlos.
Schon geringfügige Handlugen mit Drogen werden mit harten Strafen geahndet.
Diesbezüglich können sich gerichtliche Verfahren monatelang hinziehen.
Es ist strengstens untersagt, das Militär oder die Polizei zu fotografieren.
Dies gilt auch für militärische und sicherheitsrelevante Einrichtungen, wie zum Beispiel Flughäfen, Brücken, Eisenbahnen und Regierungsgebäuden.
Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu 25 Jahren sind bei homosexuellen Handlungen gängig.
Empfohlen werden Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Hepatitis A. Hepatitis B, Tollwut, Typhus und ein Impfschutz gegen die Meningokokken- Krankheit wird bei längeren Aufenthalten über 4 Wochen empfohlen.
Strikt verboten ist die Einfuhr von Waffen und Drogen aller Art, sowie pornographisches Material.
Bei Einreise müssen wertvolle Elektrogeräte angegeben werden.
Ohne Genehmigung des Nationalmuseums dürfen keine Gegenstände mit kunsthistorischem Wert ausgeführt werden.
Dies gilt für ältere Gegenstände über 50 Jahre, aber auch zum Beispiel für neuere Holzarbeiten.
VISUM und EINREISEBEDINGUNGEN
Zur Einreise nach Äthiopien besteht für Staatsbürger der Europäischen Gemeinschaft, Schweizer und die Angehörigen der meisten der restlichen europäischen Länder Visumpflicht.
Botschaft für Deutschland in Berlin:
Generalkonsulat für Deutschland in Frankfurt:
Botschaft/ Konsulat für Österreich:
office
ethiopianembassy.at
Honorarkonsulat für Österreich:
horst.seidler
univie.ac.at
Botschaft für Schweiz:
www.ethiopia
ties.itu.int

Salim Alafenisch