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Der verschleierte Völkermord
Der verschleierte Völkermord schildert die Versklavung der schwarzen Bewohner Afrikas durch die muslimischen Eroberer. Im Jahre 652 zwang der Emir Abdallah ben Said dem nubischen König Khalidurat einen Schutzgeld-Vertrag auf: Nubien sollte in Zukunft unter dem Schutz Allahs und seines Propheten Mohammed stehen, sofern es jedes Jahr 360 Sklaven beiderlei Geschlechts an den Imam der Muselmanen überstellte. Im Laufe der folgenden dreizehn Jahrhunderte drangen islamische Sklavenhändler immer tiefer in den Kontinent ein und verschleppten viele Millionen Schwarze in die arabischen Länder. Der Autor beschreibt den unglaublichen Blutzoll, den dieser menschenverachtende Handel forderte. Auf jeden gefangenen Sklaven kamen durchschnittlich drei Menschen, die beim Niederbrennen der Dörfer oder in den darauf folgenden Hungersnöten umkamen. Und auf den Todesmärschen starb in der Regel noch einmal mehr als die Hälfte aller Sklaven. Der Autor schätzt die Zahl der Toten, die auf das Konto des arabischen Sklavenhandels gingen, auf mindestens 17 Millionen. Ein erschütterndes Buch über einen bisher kaum thematisierten Völkermord.
Rowohlt Verlag, Hamburg 2010
ISBN-10 349804690X
ISBN-13 9783498046903
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2010
Thomas Kramer kann dieses Buch nicht leiden, so viel wird aus seiner Besprechung sehr deutlich, auch wenn er kein Wort darüber verliert, was Tidiane N'Diaye über den muslimischen Sklavenhandel eigentlich sagt. Wir erfahren nichts über Dauer, Drastik oder Ausmaß des Sklavenhandels, Kramer stört sich am Titel, der in seinen Ohren "verschwörungstheoretisch" klingt, oder am Untertitel, der vom muslimischen Sklavenhandel spricht, wo Kramer den Begriff "arabomuslimisch" bevorzugt hätte. Ernstzunehmender scheint Kramers Hinweis, dass bei N'Diaye Malek Chebels große Studie "L'esclavage en terre d'Islam" nicht vorkommt. Aber dann stört er sich schon wieder an N'Diayes Behauptung, dass der arabische Sklavenhandel hierzulande weniger bekannt sei als der europäische und führt als Gegenbeweis Reiseberichte von Fürst Pückler und Karl Mays Trilogie "Im Lande des Mahdi" an, die es doch immerhin auf eine Auflage von fünf Millionen gebracht habe.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2010
Der Afrikanist Andreas Eckert tut Tidiane N'Diayes Buch über den muslimischen Sklavenhandel in Afrika rigoros als stereotype Schwarzweißmalerei ab. Er moniert Allgemeinplätze, Wiederholungen und Verallgemeinerungen und wirft dem senegalesischen Autor einen unkritischen Umgang mit den historischen Quellen vor, auch wenn er einräumt, dass so gut wie keine verlässlichen vorhanden sind. Ganz schlimm findet Eckert die These N'Diayes, die arabisch-muslimischen Sklavenhändler hätte letztlich auf die "ethnische Auslöschung" der von ihnen Verschleppten abgezielt. Allerdings geht der Rezensent inhaltlich nicht auf N'Diayes Ausführungen ein. Was der Autor faktisch über den arabischen Sklavenhandel, seinen Umfang und seine Auswirkungen zu berichten hat, erfahren wir nicht, was an ihnen falsch sein soll, auch nicht. Aber das Fehlen von Fußnoten missfällt dem Rezensenten noch.
Nigel Barley