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Reisen nach Afghanistan
1939 reisten Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart mit einem Ford Cabriolet über den Balkan, die Türkei, den Iran und Herat nach Kabul in Afghanistan. Die Sehnsucht nach der Ferne hatte die jungen Fotojournalistinnen und Schriftstellerinnen aus der Schweiz zusammengebracht. Mit Fotografien und in Texten haben sie ihre Reiseeindrücke festgehalten.
Fast fünfzehn Jahre später macht der Schriftsteller und Fotograf Nicolas Bouvier zusammen mit seinem Freund Thierry Vernet in einem Fiat Topolino die gleiche Reise, gelangt jedoch via Belutschistan, Kandahar nach Kabul und dann weiter über Indien, Ceylon bis nach Japan.
Erstmals werden die Aufnahmen der drei wichtigsten Schweizer Reiseschriftstellerinnen und -schriftsteller zusammen in einer Publikation vorgestellt. Die zahlreichen, meist unbekannten Fotografien werden begleitet von teilweise noch unveröffentlichten Texten, Essays und Reflexionen über das Reisen. Verschiedene Dokumente wie Faksimiles von Briefen, Manuskripten, Büchern und Artikeln sowie unbekannte Autorenporträts ergänzen den Band.
Scheidegger und Spiess Verlag, Zürich - Genf 2003
ISBN-10 3858811483
ISBN-13 9783858811486
Gebunden, 269 Seiten, 38,00 EUR
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2004
Das Zeugnis einer doppelten Reise nach Kabul - die Annemarie Schwarzenbachs und Ella Maillarts 1939 und die Nicolas Bouviers und Thierry Vernets 1953 - hat Rezensentin Tanya Lieske in ein Afghanistan entführt, das es so nicht mehr gibt. Die Zusammenschau dieser beiden Fahrten, die der von Roger Perret herausgegebene, zweisprachige Bildband unternimmt, porträtiert das Land aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, berichtet Lieske: Die beiden Frauen unternahmen die Reise, um eine Reportage zu schreiben - ihre Bilder entstanden somit als Illustrationen und zeigen Baukunst, Handwerk und Nomadenstämme. Die Männer dagegen verstanden die Fahrt als Initiationsreise in das Fach des Bohemians, Flaneurs und Schriftsteller, so die Rezensentin, weshalb Bouvier sich gern selbst abbildete und seine Bilder "gefälliger" und sanfter sind als die Schwarzenbergs und Maillarts. Den Fotografien hat Perret Textauszüge der beiden Frauen und Bouviers, die alle drei später zu einiger Berühmtheit als Reisschriftsteller und Fotografen kamen, zur Seite gestellt. Der Bildband beeindruckte Lieske so auch als doppelte Dokumentation: eine über die Reisenden und eine über eine "vergangene Epoche" Afghanistans.
Alex Capus