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Über das Trinken Über das Trinken

So viel zu trinken. Und so wenig ohne Alkohol! Jeder Blick in eine Bar oder die Karte eines halbwegs guten Restaurants zeigt: Man muss schon triftige Gründe haben, um bei der traurigen Trias aus Wasser, Cola und Apfelschorle hängen zu bleiben. Aber unsere Haltung zum Trinken ist widersprüchlich: Auf der einen Seite kann gar nicht genug davor gewarnt werden, auf der anderen hält einem ständig einer ein Glas hin. Wer trinkt, hat ein Problem. Wer nicht trinkt, hat erst recht eins. In seinem Buch befasst sich Peter Richter auf ebenso kluge wie amüsante Weise mit einer Kultur, die in berauschenden Getränken schwimmt: unserer. In einer Gesellschaft, die Genussmitteln zunehmend kritisch gegenübersteht, plädiert er dafür, zu selbstbewusstem Lebensgenuss zu stehen und sich den Rausch auf keinen Fall nehmen zu lassen.

 

 

 

 

 

Goldmann Verlag, München 2011
ISBN-10 3442312027
ISBN-13 9783442312023
Gebunden, 222 Seiten, 12,99 EUR

 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.04.2011
Eine Gesellschaft ohne Laster hat etwas Bedrohliches, vermerkt Ursula März in den einleitenden Notizen ihres Artikel. Überall wird um des bloßen Längerlebens willen Verzicht gepredigt: Verzicht auf Alkohol, auf Zigaretten, auf Fleisch. Und, wer weiß, demnächst wohl auch auf Sex: Auch diesem Thema wird sich die dem Religiösen so zugewandte "Zeit" früher oder später stellen müssen! Vorerst aber plädiert März aber noch für Gelassenheit und bespricht Peter Richters Reflexion über das süße Gift des Alkohols - zusammen mit Gregor Hens' Buch "Nikotin" - mit großer Freude. Ein eleganter Autor sei Richter, leichthin plädiere er für sein Laster, das er anders als Gregor Hens das Rauchen bekennender Weise nicht aufgeben will, aber ohne den Ernst des Themas zu unterschlagen. März liest sein Buch als wohltuend ideologiefrei, ohne Häme für die eine oder andere Richtung.

Es mögen nicht die elementaren Fragen des Lebens sein, die Peter Richter stellt. Zumindest begegnen sie aber jedem in der einen oder anderen Situation seines Daseins: Flasche oder Glas, Bier oder Wein, trinken oder nüchtern bleiben? Zumindest bei der letzten Frage findet er eine eindeutige Antwort und zu der gehört ein freundlich-geselliges Prost!
„Über das Trinken“ philosophiert der FAZ-Feuilletonist in seinem neuen Buch. Dieses Wochenende gibt er eine Kostprobe seiner Historie von Rausch und Kater in der Villa Quandt in Potsdam. Nicht umsonst lautet der Untertitel „Ein Plädoyer für selbstbewussten Trinkgenuss“. Beim Streifzug durch die Jahrhunderte boten sich Richter allerhand Episoden aus Bibel und Antike, Kunst- und Literaturgeschichte, die er mit seiner spitzen Schreibe zum Argument für das Promillevergnügen rekrutierte.

Letztlich ist der Alkohol nämlich nicht der Ursprung des Übels am Morgen nach dem Umtrunk, sondern das Fundament unserer Kultur. Dabei trägt ein leichter Schwips bei zu Geselligkeit und Genuss. Das Streben nach dem Rausch reicht von Gilgamesch bis ins Jetzt. Und Bacchus, der römische Gott des Weins, gibt der Lust am Suff auch noch eine immerwährende Gestalt.
Vor allem begeistert sich Richter für den Funken Diplomatie im Vergorenen. Zum Beispiel in Form der „Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit“ – eine königliche Trinkrunde, die August der Starke ins Leben rief. Und dem russischen Wodka schreibt er es zu, dass der Kalte Krieg nicht noch schlimmer wurde, als er sowieso schon war.
 

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