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Ottos Berg
Mathias Ullmann wurde 1960 in Halle/Saale geboren und wuchs in Leipzig auf. Von 1981 bis 1986 studierte er Afrikanistik und Geschichte, 1989 wurde er promoviert. Später folgten Forschungsaufenthalte in Südafrika, Lesotho, Ghana, Polen, den Niederlanden und Frankreich. Mathias Ullmann arbeitet seit 2005 freiberuflich als Historiker und lebt mit seiner Familie in Dresden. Er hat mehrere Romane veröffentlicht, so 2009 im VAT Verlag André Thiele zwei Thriller um den Dresdner Freiberufler Robert Hartmann.
Die Festung Großfriedrichsburg ist heute eine Jugendherberge in Princes Town, Ghana, dem alten Pokosoe. Der promovierte Historiker und Afrikanist Mathias Ullmann hat die Originalunterlagen zur Festung und den handelnden Personen wissenschaftlich solide erarbeitet. Auf mehreren Forschungsreisen, auch in Ghana, hat er sich mit seinem Thema gründlich vertraut gemacht.
VAT Verlag Andre Thiele, Mainz 2010
ISBN-13 9783940884282
Klappenbroschur, 484 Seiten, 14,90 EUR
Rezensionsnotiz
Die westafrikanische Goldküste am Ende des 17. Jahrhunderts. Das Fürstentum Brandenburg möchte am profitablen Handel mit Edelmetallen teilhaben. Man entsendet Otto Friedrich von der Groeben, der die Festung Großfriedrichsburg gründet. 30 Jahre bleiben die Preußen. Drei Menschen führen nacheinander durch diese Zeit: Otto von der Groeben, der Holländer Willem Bosman und schließlich der Afrikaner Jan Conny. Eine turbulente Geschichte von Sklaverei und Liebe, Brutalität und Zärtlichkeit, von Vorurteilen und von den Wurzeln der Globalisierung, zuverlässig recherchiert und spannend erzählt.
Der Roman nimmt weder die Position der Opfer, der versklavten Menschen ein, noch die der Sklavenbesitzer, sondern er beschreibt das System der Sklaverei aus der Perspektive der europäischen und auch der afrikanischen Zwischenhändler. Dabei moralisiert er nicht, indem die Sklaven als holzschnittartig gut und die Profiteure der Sklaverei als plakativ schlecht geschildert werden, sondern er beschreibt die Ereignisse ohne jede Rücksicht auf die persönlichen Überzeugungen der Handelnden. Dadurch werden viele Menschen scheinbar sympathisch, denen keine Sympathie gelten "sollte", wobei der Roman auch in keinem Moment darüber hinwegtäuscht, welchem System sie dienen und vor welchem Hintergrund damit diese "Sympathie" steht.
Mathias Ullmann gelingt das Kunststück, weder die Sklaverei zu romantisieren noch die Vertreter dieses Systems zu verteufeln. Er erzählt die Geschichte so, wie sie die Akteure erlebt haben dürften: So, wie wir unsere eigene Gegenwart erleben, als einen Zusammenhang von vorgegebenen Notwendigkeiten, in dem sie leben und handeln müssen. Die grauenhaften Folgen der Sklaverei für den Kontinent sind immer präsent, aber auch die Konsequenzen für die Psyche und die Moral der am Sklavenhandel Beteiligten werden offenbar - und immer wieder wird der kleine und der große Widerstand geschildert, der unerwartet an völlig überraschender Stelle aufflammt.
Ullmann fasst dabei auch heiße Eisen an: Die Rolle der schwarzen Frauen bei den Kolonialherren, die Beteiligung von Arabern an der Versklavung afrikanischer Völker und die Stellung von Afrikanern im System des Menschenhandels. Dabei provoziert der Roman nicht scheinheilig "radikal neue" Sichtweisen, sondern macht den Zusammenhang der vielen Elemente dieser Epoche für uns heute anschaulich.
Ryszard Kapuściński