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Kinder der Wolken
Eine Frau bei den Nomaden in Maghreb. Sophie Caratini, eine junge Ethnologiestudentin, reist nach mauretanien, um dort das Leben der Nomaden zu erforschen. Fasziniert von dem kargen und doch reichen Leben, das die Kinder der Wolken, wie sie sich selbst bezeichnen, in der glühenden Hitze der Wüste führen, bleibt sie Mont um Monat und taucht ein in eine Welt, wie sie fremder und aufregender nicht sein könnte.
Immer besser lernt sie diese von sehr viel menschlichkeit und Wärme, aber auch von strengen Ritualen geprägte Gesellschaft kennen, begreift den hohen Stellenwert von Familie und Gastfreundschaft und nimmt teil an einem Leben an immer wechselnden Orten, ohne feste Behausung.
Knaur Verlag, München 1996
ISBN: 10-3426771268
Taschenbuch, 522 Seiten, Antiquariat EUR
Aus dem Buch, Seite 166:
Zwischen den französischen Vierteln und den Vierteln der Mauren, den ärmsten der Stadt, steht eine kurze Mauer, die keinen erkennbaren Zweck erfüllt. Man nennt sie die Mauer der Scham. Von den Nsara errichtet, hindert sie die beiden Gemeinschaften daran, sich gegenseitig ins Gesicht zu sehen.
In Nouakchott konnte ich problemlos von der einen Welt in die andere wechseln, dort gab es keine Feindschaft. Hier musste ich ganz in den maurischen Bereich eintauchen, physisch und psychisch. Um mich zurechtzufinden, musste ich zuerst seine Zeichen entziffern, und um mich in ihm einzurichten, musste ich meinen Körper dazu zwingen, seine Gewohnheiten zu ändern. Das Kennenlernen des anderen erfolgtr durch die Aneigunung seines Raumes. Eine psychologische Aneignung, keine Enteignung, obwohl man dem anderen auf diese Weise vielleicht auch etwas wegnimmt. Man muss ständig bestrebt sein, das Stück Territorium, das der andere mit einem teilen will, immer weiter zu vergrössern. Das höchste Ziel wäre es, sich überall zu Hause zu fühlen.
Joseph Conrad