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Eine Frage der Zeit Eine Frage der Zeit

Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen Oberleutnant Spicer Simson zwei Kanonboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schaffen. Als nun der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen. Sie sind alle Gefangene ihrer zeit und jeder versucht auf seine Art damit fertig zu werden.

 

 

 

Knaus Verlag 2007
ISBN-978-3-8135-0272-5
gebunden, 304 Seiten, 19.95 EUR

 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2007
Nach anfänglichem Sträuben gegen ein wie sie zunächst fürchtete "reines Männerbuch" zeigt sich Beatrice Eichmann-Leutenegger hingerissen von diesem Roman, in dem drei Emsländer Schiffsleute Ende 1913 nach Deutsch-Ostafrika geschickt werden und dort unversehens in den Krieg der Kolonialmächte geraten. Zunächst einmal ist es ein großartiger Abenteuerroman, der sich vor allem den grotesken Ausformungen vermeintlicher kolonialer Übermacht verschrieben hat, so die Rezensentin amüsiert. Sie preist grandiose Figurenzeichnungen, wunderbare Dialoge, herrliche Landschaftsbeschreibungen und Sattelfestigkeit in Fachtermini, die der Autor in seinem von ironischem Ton beherrschten Roman beweist. Dennoch gehe das Buch über einen reinen Unterhaltungsroman hinaus, indem er den ernsten historischen Hintergrund mit verbürgten Details unterfüttert und immer wieder die Grausamkeit der Ereignisse einfließen lässt. Zum Schluss finden die sich bekämpfenden britischen und deutschen Truppen, die sich ohnehin statt ernstzunehmender Schlachten eher lächerliche "Scharmützel" geliefert haben, auch ein ziemlich unrühmliches Ende, stellt die Rezensentin fest, die von diesem spannenden Roman begeistert ist.

 

Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
Wer hätte das gedacht, scheint Rezensent David Gels zu sagen. Wer hätte gedacht, dass sich so "pointiert und witzig" über gänzlich unheldenhafte Schiffsbauer in Deutsch-Ostafrika schreiben ließe. Und wer hätte gedacht, dass in dem von Alex Capus entfalteten "wilhelminisch geprägten Mikrokosmos" am Tanganikasee ein derartiges Entwicklungspotential steckt, dass das erzählerisch bloß angerissene Ereignis des Ersten Weltkrieges aus einem Werftarbeiter einen "Philosphen der Zeiten" macht. Wer immer diese "exakt komponierte" Prosa liest, wird das für möglich halten, zeigt die Begeisterung des Rezensenten.

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