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Von Babylon träumen Von Babylon träumen ...

Träume von Babylon“ ist ein Detektivroman im Stil der alten Film-Noir Tradition. C. Clark ist Privatdetektion in San Francisco, wir schreiben das Jahr 1942. Das Problem für Clark ist, daß er keine Klienten hat, daher auch kein Geld, sondern nur Schulden. Ach ja, Patronen für seinen Revolver hat er auch nicht. Im Großen und Ganzen gesehen, sieht es eher schlecht für ihn aus.
Folgendes Zitat macht dies deutlich, zeigt auch gleichzeitig die lakonisch-trockene Art, in der der Roman geschrieben ist:
„… war ich unterwegs zum Kühlschrank. Das war ein schwerer Fehler. Ich schaute hinein und machte dann ganz schnell die Tür wieder zu, als das Dschungelgestrüpp da drin nach draußen drängte. Ich weiß nicht, wie Menschen überhaupt so leben können wie ich. Meine Wohnung ist so dreckig, daß ich vor kurzem alle Fünfundsiebzig-Watt-Birnen gegen Fünfundzwanzig-Watt-Birnen ersetzt habe, damit ich nicht alles dauernd vor Augen haben muss. … Glücklicherweise hatte die Wohnung keine Fenster, sonst wäre ich vielleicht noch durchgedreht.“
Facit: so richtig was zum Ausspannen, es wird die Geschichte eines sympathischen Loosers erzählt, ohne daß man große Hintergründe vermuten muss.

 

 

 

Theodor Boder Verlag, Mumpf 2009
ISBN-13 97839058020504
Taschenbuch, 168 Seiten, 14 EUR

 

Eigentlich lässt sich Richard Brautigans Schriftstellerkarriere ganz gut an. 1961 beginnt er mit der Arbeit an »Trout Fishing in America« (vierte Erdbeere), und schon 1964 wird »A Confederate General From Big Sur« bei Grove Press, New York, veröffentlicht. Verbunden damit ist eine Option für drei weitere Romane. So entstehen bis 1966 neben »Trout Fishing« auch noch »In Watermelon Sugar« und »The Abortion: An Historical Romance 1966« (sechste Erdbeere). Richard Brautigan kommt mit den Vorschüssen aus dem Vertrag über die Runden: er kann vom Schreiben leben.

Mitte 1966 sieht Richard Brautigans Schriftstellerbilanz so aus: ein paar Gedichtbände in Miniauflagen, ein veröffentlichter Roman, der sich miserabel verkauft und drei abgelehnte Romane. Was tut jemand in dieser Situation, dessen einziges Ziel ein Leben als Schriftsteller ist?

Optimistisch bleiben. Nach Keith Abbott ist Richard Brautigan mit dem zufrieden, was er trotz seiner Herkunft erreicht hat. Richard Brautigan glaubt an seine Fähigkeiten als Schriftsteller, auch wenn fast jeder in der Literaturszene von San Francisco meint, dass seiner Art zu schreiben kein großer Erfolg beschieden sein kann.

Tatsächlich beginnen 1967 Richard Brautigans erfolgreichste Jahre. Zunächst auf lokaler Ebene: er findet im Haight-Ashbury District von San Francisco sein erstes Stammpublikum. Haight Ashbury ist zu dieser Zeit der Sammelpunkt der alternativen Bewegungen in den USA. Richard Brautigan beteiligt sich an Aktionen der Diggers, eine anarchistische Gruppe, die direktes soziales Engagement (»Food for free«, Free Stores) mit Straßentheater und anderen kulturellen Veranstaltungen verbindet. Diggers sind es auch, die Gedichte von Richard Brautigan umsonst auf den Straßen von San Francisco verteilen, z.B. eine Gedicht-Serie gedruckt auf Samentütchen mit dem Titel »Please Plant This Book«.
http://www.brautigan.de


 

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