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Andernorts Andernorts

Ethan Rosen und Rudi Klausinger: Beide sind sie Koryphäen auf demselben Forschungsgebiet, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Rosen ist überall zu Hause und nirgends daheim. Selbst der Frau, die er liebt, stellt er sich unter falschem Namen vor. Klausinger wiederum ist Liebkind und Bastard zugleich. Er weiß sich jedem Ort anzupassen und ist trotzdem ruhelos: Was ihn treibt, ist die Suche nach seinem leiblichen Vater; sie führt ihn schließlich nach Israel und zu Ethan Rosen. Dessen Vater, ein alter Wiener Jude, der Auschwitz überlebte, braucht dringend eine neue Niere. Bald wird die Suche nach einem geeigneten Spenderorgan für die Angehörigen zur Obsession. Und selbst der obskure Rabbiner Berkowitsch hat plötzliches Interesse an den Rosens. Herkunft, Identität, Zugehörigkeit um und um wirbelt Doron Rabinovici in seinem neuen Roman "Andernorts" die Verhältnisse in einer jüdischen Familie, deckt ihre alten Geheimnisse auf und beobachtet sie bei neuen Heimlichkeiten.
 

 

 

 

 

Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN-10 3518421751
ISBN-13 9783518421758
Gebunden, 285 Seiten, 19,90 EUR

 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2010
Viel zu viele Geschichten werden in diesem Roman erzählt, seufzt Judith von Sternburg. Dabei sei der Ausgangspunkt von Doron Rabinovicis "Andernorts" vielversprechend: Der Wissenschaftler Rudi Klausinger veröffentlicht eine Kritik an der "Lagerfeuerromantik" bei Schulausflügen nach Auschwitz, zitiert dabei seinen israelischen Kollegen Ethan Rosen, der vor Jahren dieselbe Meinung öffentlich vertrat. Dieser verurteilt Klausinger nun scharf und vergisst dabei, dass er selbst der Urheber des Zitats ist, auf das sich Klausingers Argumentation stützt. Dies sei doch schon genügend Stoff für einen Roman a la Philip Roth, findet Sternburg. Doch zu ihrem Leidwesen quetscht Rabinovici noch eine Familiengeschichte in den gerade mal 286 Seiten starken Roman, dazu Rosens halbe Biografie, eine Liebesgeschichte und und und... Mit den daraus folgenden "abstrusen Wendungen" stünde der Roman vielen Seifenopern in nichts nach, bedauert Sternburg.

 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2010
Doron Rabinovicis Roman "Andernorts" hinterlässt bei Rezensent Georg Renöckl einen zwiespältigen Eindruck. Im Mittelpunkt steht der Israeli Ethan Rose, der mit seinem Konkurrenten um einen Wiener Lehrstuhl nach Tel Aviv reist, um die eigene Familiengeschichte zu ergründen, und der sich beständig seiner ihm selbst fragwürdigen Identität zu vergewissern sucht, erfahren wir. Ins Auge sticht dem Rezensenten der skurrile Humor des Autors, der seine Leser mit einer Fülle "irrwitziger Ideen" bombardiert, wie Renöckl feststellen kann. Das ist streckenweise sehr unterhaltsam, zuweilen aber irritiert es den Rezensenten auch, wenn die komischen Einfälle nichts zum Erzählverlauf beitragen und einen prätentiösen Beigeschmack bekommen. Während Rabinovici anhand der Figur des Holocaust-Überlebenden Dov Zedek auf sehr "berührende Weise" Fragen nach der Erinnerung an die Shoah nachgeht, sieht der Rezensent sich mit Ethans Vater mit einer Vorbildfigur konfrontiert, die nicht nur Ethan verzweifeln lässt, sondern den Kritiker zudem in seiner Überlebensgröße völlig kaltlässt, wie er gesteht. Und so ist dieser Roman für Renöckl insgesamt etwas "unrund", insgesamt aber dennoch durchaus "faszinierend" und überwiegend sehr amüsant.

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