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Ob er auf dem Tahrir-Platz in Kairo vor den Demonstrantinnen und Demonstranten die gleichen Worte benutzt hätte? Mit seiner Ansprache an den Massenversammlungsorten der neuen arabischen Aufbruchs hätte Jelloun sich sicherlich nicht viele Freunde bei denen gemacht, die ihr Leben für die neue Demokratiebewegung im Nahen Osten riskieren. Vielleicht ist es den vielen Aktivistinnen und Aktivisten aber auch schlicht weg egal, was die zwar weniger gut situierten, aber etablierten arabischen Exilanten des europäischen Literaturzirkus zu der neuen Entwicklung im so genannten Orient zu sagen haben. In  Ägypten zumindest war es den Köpfen der neuen Bewegung von Anfang an ziemlich gleichgültig,  ob ihre „Revolte” im Okzident, beispielsweise in der US-Regierung, die beste Verbündete des gestürzten Machthabers Mubarak, ihre Zustimmung finden würde. Auch bei den Araberinnen und Arabern in Tunesien oder Syrien, die ihren Protest auf der Straße tragen, sind und waren kaum oder nur wenige anti-westliche Stimmen zu hören. Die Konstruktion des sich feindlich gegenüber stehenden Orient und Okzident könnte damit ein Auslaufmodell aus den Zeiten den Postkolonialismus werden. Der Ideenaustausch der „arabischen Revoluzzer” findet heute mehr denn je im Internet, in den Moscheen oder auf der Straße, als in intellektuellen Lesezirkeln den westlichen Metropolen statt. Vielleicht würden die Aufständischen des arabischen Frühlings eher mit der Einstellung der asiatische Shootingstar Miguel Syjuco sympathisieren, der auf dem Literaturfestival sein Buch „Die Erleuchteten” vorgestellt hat. Der Gewinner des „Man Asian Literary Prize” zeigt seinen Kritikern und Neidern oft genug einfach die höfliche, aber sprichwörtlich kalte Schulter. Denn immer wieder wird der Neu-Kanadier in seinem Ursprungsland  mit dem Vorwurf konfrontiert, er würde den alten Kolonialmächten dienen, weil er seine Bücher in Englisch schriebe und nicht in einer der 80  Landessprachen. Als er sein neustes Werk allerdings einem einheimischen philippinischen Verleger kostenlos zur Verfügung stellen wollte, hatte der sich schlichtweg  geweigert, das Buch zu übersetzen. Es würde sich nicht verkaufen. Die Philippinen blicken auf eine lange und schmerzvolle Geschichte spanischer (1556 bis 1896), amerikanischer (1889 bis 1941) und japanischer Fremdherrschaft (1942 bis 1944) zurück. Alle Besatzungsmächte haben neben den kulturellen Verwüstungen der Kolonialmächten noch etwas zurück gelassen: der immer wieder schielenden Blick nach dem Westen. Das macht Syjuco seinen Kolleginnen und zum Kollegen zum Vorwurf. Das gegenwärtige Engagement der Schriftsteller ließe ein bisschen zu wünschen übrig, schreibt er in seinem Artikel „Hilfe, wir tanzen auf Disco-Musik” im „Freitag”. „Wir gehen in die Disco, und dort tanzen wir vor allem immer noch gern zu den Beats der Siebziger – diese Musik mit den angenehm eingängigen Doktrinen in den Refrains: marxistische Theorie, die antiimperialistische Kampf, das Authentische. Und beklagen wir uns darüber, dass wir weder zu Hause noch im Ausland gelesen werden. Es halt einfacher, auf Etabliertes zu reagieren als Neues zu erfinden!” Die Theorie des Postkolonialismus ist für Miguel Syjuco in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Umwälzung. Einen „Arabischen Frühling” vielleicht?  Weitere Informationen auf www.literaturfestival.com.
Text: Copyright Iris Anna Kötter, www.sansibar-news.com

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